Verein Gastfamilien für Psychischkranke
Jahresbericht
2009
Das
Angebot zur Akutbehandlung psychisch Kranker in
Gastfamilien läuft nun im fünften Jahr und bewährt sich
weiterhin sehr. Die Möglichkeit, eine psychische Krise in
einem gesunden und alltagsorientierten Umfeld unter
Vermeidung eines Aufenthaltes in einer psychiatrischen
Klinik zu überwinden, wird von vielen Betroffenen sehr
geschätzt. Anders als in der Klinik werden sie von den
Gastfamilien primär als Gäste mit ihren Fähigkeiten und
Stärken, aber auch Problemen und aktuellen Schwierigkeiten
gesehen, wobei immer deutlicher wird, dass die eigentliche
Diagnose und psychiatrische Vorgeschichte für Gast und
Gastfamilien nur eine zweitrangige Bedeutung hat. Im
Vordergrund stehen das gegenseitige menschliche Interesse
und der gemeinsam gestaltete Alltag.
Im Jahr 2008 konnten 13 Patientinnen und Patienten mit
insgesamt 18 Aufenthalten in Gastfamilien behandelt werden
(seit Start des Projekts bis heute 50 Patientinnen und
Patienten mit 72 Aufenthalten). Die durchschnittliche
Aufenthaltsdauer lag praktisch unverändert bei 19 Tagen.
Die Aufenthalte verliefen weiterhin insgesamt positiv und
die Möglichkeit, in erneuten Krisen wieder bei derselben
Gastfamilie unterzukommen wird von den Betroffenen sehr
geschätzt, wobei die Beziehung zur Gastfamilie bei
wiederholten Aufenthalten eine zunehmende Bedeutung und oft
auch stabilisierende Wirkung erlangt.
Bei den Gastfamilien ergaben sich im letzten Jahr keine
Veränderungen, nach wie vor sind drei Gastfamilien seit
Start Ende 2004 mit dabei, zudem haben sich die beiden
neuen Gastfamilien im Angebot sehr gut etabliert. Die
Gastfamilien fühlen sich durch das Ambulatorium gut
begleitet und in ihrer Arbeit unterstützt. Hilfreich sind
die meist täglichen Telefongespräche während eines
Aufenthaltes eines Gastes sowie die ca. 3-4 Mal jährlich
stattfindenden Treffen aller Gastfamilien im Ambulatorium
zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion anstehender
Themen. Bei der oft als recht belastend erlebten Tätigkeit
als Gastfamilie ist es wichtig, dass immer wieder auch
längere Pausen zwischen den Aufnahmen der Gäste möglich
sind.
Auch im letzten Jahr zeigten die Medien einiges Interesse
am Gastfamilienangebot. So kamen je ein Artikel in der
Baslerzeitung und im Landboten zustande – jeweils ein
Interview mit einem Gast und einer Gastfamilie –
sowie ein Beitrag im Gesundheitsmagazin „Puls“
von SF1, in dem neben dem Portrait eines Gastes in der
Gastfamilie auch Klinikbehandlungen in der PUK dargestellt
wurden. Zudem wurde das Angebot in der Zürcher Ärztezeitung
der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich vorgestellt.
Anfang 2009 konnte auch eine Publikation der Daten der
Auswertung der Gastfamilienaufenthalte in einer
Fachzeitschrift erfolgreich eingereicht werden.
Die weitere Entwicklung des Behandlungsangebotes ist
aktuell noch unklar. Die Finanzierung in der jetzigen Form
ist beim aktuellen Vereinsvermögen noch bis ca. Ende 2009
gewährleistet. Geplant ist die Überführung des
Gastfamilienangebotes in die Regelversorgung mit
Finanzierung durch den Kanton ab 2010, wozu vor kurzem
durch die Geschäftsleitung der PUK ein Konzept des
Gastfamilienangebotes bei der Kantonalen
Gesundheitsdirektion vorgestellt wurde.
Zürich,
23.4.2009 / Lötscher
Ältere Jahresberichte (ab 2005) finden Sie unter Druckversionen.